Wirtschaftliche Interessen

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Meine Großmutter hat immer davon gesch- wärmt, daß es im Kaiserreich so schönes Geld gegeben  hätte- und sie gehörte ja zu der Generation, die in dieser Hinsicht in Deutschland einigen Wechsel im Geldbeutel erlebt hat. Ab 1914 ging es mit dem schönen Geld abwärts- seit dem 31.Juli wurde der Goldstandard in Deutschland de facto aufgehoben,  weil die Reichsbank Papiergeld und Scheidemünzen  nicht mehr in Gold einlöste. Folgerichtig verschwanden die sich im Umlauf befind-  lichen Golmünzen im Sparstrumpf, und als zunehmend die kleineren Münzen ausminderwertigem Kriegsmetall geprägt wurden, wanderten auch sie in den Strumpf.Dagegen halfen auch so kuriose Maßnahmen der Prägestätten nicht, wie das- bis 1918 in Silber geprägte 1/2 Markstück- künstlich zu schwärzen, um eine minderwertige Legierung vorzutäuschen.  Dieser verbissene Kampf der Reichsbank mit den Bürgern um das Edelmetall spielte sich im Hintergund ab; wer es sich leisten konnte, beteiligte sich an der vaterländischen ĄGold gab ich für Eisen" Spendenaktion  und tauschte Gold gegen Eisenschmuck ein; Schulkinder bekamen einen Tag schulfrei, wenn die Eltern Goldmünzen gegen Papiergeld eintauschten. ( Ein Grund zur Sorge wegen zu hohen Schulausfalls hierdurch bestand übrigens zu keiner Zeit).

Und nach dieser kurzen monetären Abschweifung zu den Kriegskosten, dem Seekrieg, der Ökonomie und dem Kriegseintritt der USA. Gleich zu Kriegsbeginn verhängte Großbritannien eine Handelsblockade gegen Deutschland, indem der Kanal und eine Linie zwischen den Orkneys und der norwegischen Küste durch Minenfelder und Patrouillen gesperrt wurde. Völkerrechtswidrig an ihr war, daß Lebens- und Sanitätsmittel und auch Schiffe neutraler Staaten davon betroffen waren. Deutschland verhängte eine Seeblockade gegen Groß- britannien, und an ihr war völkerrechtswidrig, daß sie sich zunächst nichtm aber später wohl- auch gegen neutrale Schiffe richtete, und daß die U-Boote sich nicht an die Prisenordnung hielten. Das konnten sie technisch auch nicht, und hatte sich spätestens auch sowieso erledigt, als die Briten Handelsschiffe mit Geschützen ausstatteten.Das Dilemma der kaiserlichen Seekriegsleitung liegt darin, daß sie immer davon ausgegangen war, in einem Krieg der britischen Flotte einen vielleicht nicht tödlichen, aber vielleicht entsceidenen Schlag versetzen zu können, aber außer der Schlacht im Skagerak zum Monatswechesl Mai/Juni 1916 bot sich hierzu keine Gelegenheit.

Die Seeschlacht endete unentschieden, mit Achtungserfolg für die kaiserliche Marine. Die Briten betrieben mit relativ wenig Risiko und Aufwand die Blockade, die deutsche Hochseeflotte langweite sich in den Norseehäfen bis zur Revolution, und die Blockade bestand sehr effektiv bis 1919 fort. Jetzt hätte Tirpitz und die OHL gerne einen uneingeschränkten Krieg der U-Bootwaffe geführt, aber aus politischen Gründen gab es hier mehrmals ein Hin- und Her, weil die Politik einen Kriegseintritt der USA und andere neutraler Staaten befürchteten. Zu den Zeiten, als der U-Bootkrieg uneingeschränkt geführt wurde, war er sehr erfolg- reich, aber niemals auch nur in der Nähe einer Kriegsentscheidung. Zwar wurde 1917 die Versorgungslage auf der britischen Insel für zwei Monate kritisch, steht aber nicht im Vergleich zu den geschätzen mindestens 800.000 Toten infolge der Hungerblockade. Als nach dem Kriegseintritt der USA 1917 diese Millionen ihrer Soldaten nach Frankreich verschifften, wurde von den U-Booten übrigens nicht ein einziger Truppentransporter versenkt.  Die USA hatten 1914 ihre Neutralität erklärt; die Wirtschaft boomte, weil nach dem Cash & Carry Prinzip jeder von den USA Rüstungsgüter kaufen und dort auch produzieren lassen konnten. Daß die USA auf Seiten der Entente in den Krieg eintreten würden, war nicht unbe- dingt sicher vorherzusehen, aber man muß nicht Volkswirtschaft studiert haben, um nach den Zahlen einschätzen zu können, wo die wirtschaftlichen Interessen lagen:

Politisch verschärfte sich die Beziehung zwischen den USA und dem Reich zusehend, weil die USA auf die Freiheit der Meere und des Handels be- standen, und die gegen England gerichtete deutsche Blockade nicht anerkannten (Aber die englische gegen Deutschland und die Neutralen duldeten). Als 1915 die britischen Schiffe Lusitania und Arabic versenkt wurden, und auch 128 bzw 2 amerikanische Passagiere dabei ums Leben kamen, verschärfte sich die Situation. Wir erinnern uns, die Lusitania war ein britisches Schiff, daß sich in einem Blockadegebiet bewegte, und die Passagiere waren noch vor Abfahrt in New York vor einer solchen Möglichkeit gewarnt worden. Die Seekriegsleitung nimmt nachfolgend Passagierschiffe von der Versenkung aus. Nach der Versenkung des französischen Kanaldampfers Sussex im März 1916 werden auch einige Amerikaner nicht getötet, aber verletzt- und Präsident Wilson droht mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen, wenn nicht der U-Bootkrieg generell eingestellt würde- auch der gegen bewaffnete Handelschiffe.  Es läßt sich heute noch trefflich über die Versenkung der Lusitania debattieren, aber sie hat nicht den Kriegseintritt der USA zwei Jahre später bedingt oder beeinflußt. Jedenfalls ist die Freiheit der Meere und die Freiheit der Amerikaner, sich als Passagiere auf Schiffen kriegsführender Nationen in Seekriegsgebiete begeben zu können, sicher ein Anlaß- ansonsten das Ganze ein Eiertanz, bei dem es nicht um die Wahrung der Neutralität Amerikas ging, sondern nur darum, den Kriegseintritt möglichst lange hinauszuzögern. Es war auch nicht das Zimmermann- Telegramm, das als Vorwand zur Verschärfung der Beziehungen diente- kurz nach Bekanntwerden des Telegramms ordnete Wilson die Bewaffung der amerikanischen Handelsschiffe an.
 

Zimmermann-Telegramm:
"Wir beabsichtigen, am ersten Februar uneingeschränkten U-Boot-Krieg zu beginnen. Es wird versucht werden, Vereinigte Staaten trotzdem neutral zu halten. Für den Fall, dass dies nicht gelingen sollte, schlagen wir Mexiko auf folgender Grundlage Bündnis vor. Gemeinsam Krieg führen. Gemeinsam Friedens- schluss. Reichlich finanzielle Unterstützung und Einverständis unsererseits, dass Mexiko in Texas, New Mexico, Arizona früher verlorenes Gebiet zurückerobert. Regelung im einzelnen Euer Hoheit überlassen. Sie wollen Vorstehendes dem Präsidenten streng geheim eröffnen, sobald Kriegsausbruch mit Vereinigten Staaten feststeht, und Anregung hinzufügen, Japan von sich aus zu sofortigem Beitritt einzuladen und gleichzeitig zwischen uns und Japan zu vermitteln. Bitte den Präsidenten darauf hinweisen, dass rücksichtslose Anwendung unserer U-Boote jetzt Aussicht bietet, England in wenigen Monaten zum Frieden zu zwingen. Empfang bestätigen. 
Zimmermann"

Was da steht, ist so abwegig nicht und gibt nur bekannte Strategien wieder, mit dem Ziel einer Drohkulisse nach einem Kriegseintritt der USA. Übrigens wird auch immer ganz vergessen, daß Mexiko schon einen Grund hätte- die USA haben im mexikanischen Bürgerkrieg massiv zugunsten der Regierungspartei interveniert, mit Strafexpedition 1916, und Besetzung einiger Grenzgebiete. Es geht den Amerikanern um Demokratie und Freiheit in der Welt- daß ist die Begründung Wilsons für den Kriegseintritt Amerikas.Der Grund ist natürlich auch die Handelsfreiheit einer neutralen Nation mit kriegführenden Staaten, und es geht ums Geld- denn zwischenzeitlich war auch schon amerikanisches Kapital am Krieg beteiligt, der so lange dauerte, daß die Entente Rüstungsmaterial auf Kredit kaufte- 43,5 Milliarden Mark aus amerikanischen Staatsanleihen waren an die verschiedensten Ententestaaten geflossen. Und weil sich alle kriegsführenden Parteien stillschweigend einig waren, daß der Verlierer alles zahlt, fühlten sich die Investoren unwohl, weil der Krieg 1916 und 1917 für die Entente nicht so gut wie erwartet verlief und dessen Ergebnis noch nicht eindeutg einzuschätzen war- die Lage verschlimmerte sich noch im Verlauf des 17er Jahres und beflügelten die nun kriegsführende Partei USA, sich noch mehr zu engagieren- Serbien und Rumänien geschlagen, Revolution in Rußland, Meuterei der französischen Frontdivisionen, gewaltige Niederlage der Italiener. 

Der weitere Verlauf ist bekannt; die U-Boote, die nun uneingeschränkt Seekrieg führen konnten und durften, erzielten große Erfolge, aber keine meßbare Wirkung-
unbeschadet landeten die Amerikaner Millionen Soldaten und gewaltiges Material in Frankreich an; die Hochseeflotte saß im Hafen, machte Revolution und lief dann doch noch aus, allerdings in die Internierung, wo sie sich 1919 selbst versenkte.

 

Aus Sicht des Steuerzahlers kein großer Verlust, denn aus direkten Steuern war sie zum geringsten Teil finanziert worden, sondern über Anleihen, Schuldver- schreibungen und der Schaumweinabgabe, im Volksmund fälschlicherweise als Sektsteuer bekannt- im Kaiserreich als Luxussteuer zur Flottenfinanzierung eingeführt, ist sie noch heute existent- obwohl die deutsche Flotte schon zweimal untergegangen ist... Als Nebenbemerkung sei erlaubt, daß es sich um eine Pau-  schalabgabe handelt, und meiden Sie in Zukunft den billigen Sekt- bei ungefähr einem Euro Sektsteuer  pro Flasche kann der Sekt zu 1,99 oder 2,99 Euro nicht wirklich gut sein-...

Bis zum Waffenstillstand 1918 ist der deutsche Steuerzahler auch bei den Kriegskosten erstaunlich gut weggekommen. 164 Milliarden Mark hat der Krieg das Reich gekostet, und nur 6% davon kamen aus direkten oder indirekten Steuern und Kriegsabgaben. Der Rest wurde duch Schuldverschreibungen (34,8%), und vor allem durch Kriegsanleihen für 97 Milliarden Mark gedeckt. Eine gute Finanzierung,  wenn man den Krieg gewonnen hätte. Jetzt allerdings mußte der Steuerzahler ran. Zusätzlich waren noch 164 Milliarden Doldmark als Kriegsentschädigung an die Sieger zu zahlen. Der Staat hochverschuldet, ab 1914 eine schleichende, von 1918 bis 1922 eine starke, 1923 die Mega-Inflation.  Im November 1923 kam die Währungsreform- die neue  Rentenbank nahm eine Grundschuld auf und Rentenmark aus, und 1924 wurde die Reichsbank wieder zu einer vom Staat unabhängigen Zentralbank, nach der Degenierierung zur Großdruckerei. Die Reichsmark wurde eingeführt. 1 Reichsmark= 1 Rentenmark. 4,2 Billionen Papiermark = 4,20 Rentenmark = 1 US-Dollar. Und plötzlich war der Staat fast schuldenfrei- aus den 164 Milliarden Kriegskosten wurden 16¼ Pfennig.