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   Preußisch blau
   Die nebenstehende Abbildung nach
   Knötel zeigt die Uniformentwicklung
   der preußischen Linien-Infanterie
   auf. Gemeinsamkeiten sind leicht
   zu entdecken: Der blaue Grundton
   des Uniformrockes, mit roten Besatz.
   Diese Grundmuster wurde bereits um
   1660 entwickelt, und 1691 generell
   reglementiert.



Über Uniformen gibt es zahlreiche Publikationen, und auch die deutsche
Uniform wird nicht gerade stiefmütterlich bedacht, deshalb an dieser Stelle
der Hinweis, daß diese Seiten nicht wirklich eine umfassende Abhandlung
bieten wollen und können. Vielmehr soll dem Interessierten ein Überblick
und eine Einführung geboten werden. Die Uniform entwickelte sich erst
wieder nach dem dreißigjährigem Krieg- ab dann bilden Soldaten eines
Regiments wieder einen einheitlichen Anblick, da gleich oder ähnlich ge-
kleidet. Die Söldnerheere der Kriege von 1618-1648 kleideten sich ganz
individuell, aber mit einheitlichen Stilmerkmalen. Üblich war deshalb, vor
der Schlacht ein gemeinsames Feldzeichen anzulegen, ein buntes Stück
Tuch am Hut, ein Tannenzweig o.ä.

Die Heere des späten 17. Jahrhunderts trugen noch eine Uniform, die der
zivilen Kleidung im Schnitt und der Zusammenstellung nicht unähnlich war,
und so sollte es auch noch längere Zeit bleiben. Erst viel später bildeten
sich nationale Eigenheiten und Gemeinsamkeiten in der Uniformmode heraus,
und wie wir noch später sehen werden, zeigt sich dann die Tendenz, der
Militärmode der jeweils führenden Militärmacht zu folgen. Um 1690 kann
hiervon noch keine Rede sein- wenn es Uniformität gibt, dann auf Regiments-
ebene- das Regiment gilt als größter gerade noch zu beherrschender taktischer
Großverband. Der Regimentskommandeur bestimmt noch lange die Uniform und
auch Ausrüstung seiner Truppe, und die so sich entwickelnden Eigenheiten
führen zu einer Vielzahl von traditionellen Stilelementen, die sich noch bis
zum Weltkrieg von 1914 behaupten können. Es sei kurz erwähnt, das in
den Heeren die Entwicklung von Normung-Typung-Standardisierung der
allgemeinen teschnischen Entwicklung folgt. Die Nähmaschine wurde ja
bereits 1820 erfunden, setzte sich aber erst um 1840, gegen den erbitterten
Widerstand des Berufsstandes der Schneider, durch.

Der große Kurfürst bestimmte also blaues Tuch mit roten Aufschlägen zur
Uniform der brandenburgischen Linieninfanterie, und so sollte es dann auch
bis 1918 bleiben. Wobei, vielleicht berechtigt, nach einigen Historikern für die
Massenheere des 18.Jahrhunderts bereits hier eine Grundeinteilung getroffen
werden kann: Die großen französischen und österreischichen Heere trugen
helle Röcke, also ungefärbtes und gebleichtes Tuch, die reichen Engländer
konnten sich kostspielige rote Einfärbung leisten, und die als preußischblau
bekanntgewordene Farbe war ideal geeignet, das grobe Tuch der Röcke zu
kaschieren. Wie in allen anderen Staaten, und deren gab es ja auch im
heiligen römischen Reich deutscher Nation viele, entwickelten sich Waffen-
gattungen mit ganz eigenen ( und übernationalen ) Uniformstandards, aber
wir wollen uns zunächst auf die Infanterie beschränken.

Alte Zöpfe werden abgeschnitten. 1806 wird dieser Vorgang zum Sprichwort-
die schon ohnehin sehr kurz gewordenen Zöpfe des preußischen Militärs weichen
der neumodischen Kurzhaarfrisur. Ab 1806 olgte Preußen- der französischen
Militärmode, mit dem hohen, unpraktischem Tschako, der aber den für den
Soldaten nicht unpraktischen Vorzug hatte, daß sich darin die Tabakspfeife
verstauen ließ, wie auch schon in den preußischen Grenadiermützen. In den
Befreiungskriegen wurden die Uniformen recht buntscheckig- die vielen neu-
aufgestellten Regimenter trugen zumeist aus England gelieferte Uniformen,
Waffen und Ausrüstungen, was in den späteren Geschichtsdarstellungen bis
heute schlichtweg unterschlagen wird. Betont wird hingegen die behelfsmäßige
Ausrüstung der neuen Formationen, der Landwehrregimenter bis hin zum
berühmten Lützowschen Freikorps, wobei letzteres, zum großen Teil aus
Studenten bestehend, an der Entwicklung der heutigen Nationalfarben
schwarz-rot-gold nicht unbeteiligt sein soll. Die Studentenbünde der 1830er
und 1840er sollen sich ihre Farben aus der Uniformierung des Freikorps-
schwarz eingefärbte Zivilkleider, roter Besatzstoff und Biesen, goldfarbene
Knöpfe, abgeleitet haben. Und dafür spricht auch einiges.

Was sich aus der Zeit der Befreiungskriege noch bis in den Weltkrieg
gerettet hat, war die aus der Not geborene Kopfbedeckung der mit einem
Wachstuchüberzug (wie bei den Tschakos üblich) schlichten Schirmmütze.
Diese Kopfbedeckung wurde als "Landsturmmütze" noch bis weit in den Welt-
krieg hinein vom Landsturm getragen. Ein weiteres Element war die ponceau-
rote Hosenbiese. Noch in einer Vorschrift von 1888 ist nachzulesen, daß,
wenn im Kriegsfalle keine ausreichende Ausrüstung für den dann einzube-
rufenden Landsturm zur Verfügung steht, dieser als Soldaten "mindestens
durch  Feldmütze, Armbinde in den Nationalfarben und eine an die Hosennaht
fest anzubringende rote Paspel" zu kennzeichnen sei. Die farbige Hosenbiese
hat sich dann später noch bis 1945 - aber abgewandelt zur Waffenfarbe- an
der Hose des "Waffenrocks" gehalten, und erlebte nach 1945 auch in den
60er Jahren bei der Bundeswehruniform nochmals eine kurze Blüte.

Zwischen 1840 und 1850 erfolgen umfangreiche
Heersreformen, die mit einer Neuausstattung des
Heeres einhergehen. Die in dieser Zeit eingeführte
Uniform und Ausrüstung sollte für die nächsten
Generationen das als typisch empfundene Er-
scheinungsbild des preußischen Soldaten prägen.
Der Tschako weicht der 1842 eingeführten Pickel-
haube, die auch heute noch als typisch preußische
Kopfbedeckung eingeordnet wird, obwohl sie uniform-
technisch damals als dernier crie galt und ursprünglich
eine modische Erfindung aus Rußland ist. Der konische
Tschako mit hohem Schwerpunkt und schlechtem Trage-
komfort wird durch einen glockenförmigen Lederhelm abgelöst, der an der
Oberseite mit einer Spitze versehen ist.

Diese soll symbolisch an die Speerspitze der Heere aus dem Altertum er-
innern, erfüllt aber, in Verbindung mit den anderen Metallbeschlägen, einen
durchaus praktischen Nutzen: Der Kopf soll vor Säbelhieben geschützt werden.
Hierzu dienen auch die Schuppenketten des Kinnriemens, und die gerade aus
der Mode kommenden Offiziersepauletten mit Metalleinfassung erfüllten ja auch
ursprünglich diese Schutzfunktion. Als Uniform wird der Waffenrock eingeführt,
der in der Form von 1849 bis 1918 in Gebrauch bleibt und stilistisch bei der
Wehrmacht 1936 als Paradeuniform auflebt. Der dunkelblaue Rock mit Steh-
kragen hat vorne acht blanke Metallknöpfe, hinten sechs auf den Schoßpatten.
je nach Waffengattung oder Regiment hat er verschiedene Aufschläge. Die
Rockfront und die Taschenpatten sind rot paspeliert, die Ärmelaufschläge
und Patten ebenfalls, mit wechselnden Paspelierungen nach Waffengattung
und Armeekorps. Der Kragen ist mit großen roten Patten versehen, er wird
spätestens 1871 bei allen Regimentern vollfarbig.